Fünf Thesen gegen Missbrauch
1) Kinder sind höchst schutzwürdige Persönlichkeiten, deren Glaubwürdigkeit meist unterschätzt wird. Geben wir ihnen eine Chance, sich zu artikulieren.
2) Sexuelle Gewalt an Kindern ist zu ächten. Sie ist ein Verbrechen, kein Kavaliersdelikt. Täter sind zu bestrafen; sie bedürfen aber um ihres Weiterlebens dringender und vor allem garantierter langzeitlicher Hilfe und Kontrolle.
3) Zeugen benötigen mehr Zivilcourage – es geht um Opfer, und dies in Serie. Mittätiges Schweigen klagt doppelt an. Gestatten wir aber zugleich, den Zeugen mehr Glaubwürdigkeit zuzubilligen.
4) Pädagogische Einrichtungen bedürfen zum Wohl der Kinder Transparenz und einer strengen und grundsätzlich akzeptierten Außenkontrolle.
5) Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs tragen niemals Schuld. Dieser Umstand muss mit allem Nachdruck betont werden.
Quelle: Univ.-Prof. Dr. Max H. Friedrich
Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich ist Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters und seit 1984 gerichtlich beeideter Sachverständiger für Psychiatrie und Kinder- und Neuropsychiatrie.
Buchtip: „Tatort Kinderseele – Sexueller Missbrauch und die Folgen“, Max H. Friedrich, Verlag Carl Ueberreuter, Wien, 1998.
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